Summary Hohenwestedt:
Hohenwestedt, first mentioned in a document from 1217 as ‘Wetsstede’, is a small town on the Holstein ‘Hohe Geest’. The earliest traces of settlement date back to prehistoric times. During the Bronze Age (1700–500 BC), trade routes led from here to distant regions.
In the mid-17th century, roads were marked on maps for the first time. This made it clear, that two important trade routes crossed at Hohenwestedt in the Middle Ages – the north-south “Ox Trail” and the “Lübsche Trade” as the route from the Hanseatic city of Lübeck to the west coast. Hohenwestedt can thus look back on a road tradition that has developed over many centuries.
Historical documents prove that the „Ox Trail“ ran along the current B77 main road, joining the present roundabout and which, in turn, followed the route of an older pathway. Within the town limits, ‘Rendsburger Straße’ continues the historic route. South of Hohenwestedt, traces of the „Ox Trail“ leading to Itzehoe have been preserved in the woodland area near the village of Jahrsdorf.
Oversigt Hohenwestedt:
Hohenwestedt, der første gang nævnes i et dokument fra 1217 som „Wetsstede“, er en lille by på den holstenske „Hohe Geest“. De ældste spor efter bosættelse stammer fra forhistorisk tid. I bronzealderen (1700–500 f.Kr.) førte handelsruter herfra til fjerntliggende regioner.
I midten af 1600tallet aftegnes veje for første gang på kort. Dermed blev det så at sige tydeligt, at to vigtige handelsruter krydsede hinanden ved Hohenwestedt i middelalderen – den nord-sydgående vestholstenske »Hærvej« og den »Lübsche Trade« som vej fra Hansebyen Lübeck mod vestkysten. Dermed kan Hohenwestedt henvise til en vejtradition, der er vokset frem gennem mange århundreder.
Historiske dokumenter beviser at Hærvejen løb på den nuværende primærroute B77, der her munder ud i rundkørslen, og som på sin side fulgte sporene af en ældre vejføring. Inden for bygrænsen fortsætter »Rendsborg Gade« den historiske vejføring. Sydover Hohenwestedt er der bevaret spor af »Hærvej«, der fører til Itzehoe, i skovområdet ved landsbyen Jahrsdorf.
Der Ochsenweg
in Hohenwestedt
Abb. 1. Der Ochsenweg zwischen Remmels und Jahrsdorf und heutiges Straßennetz
Die Geschichte von Hohenwestedt – Sprachforschung deutet den Ortsnamen als „hohe Stätte im (oder am) Wald“ –, das 1217 erstmals urkundlich als „Wetsstede“ erwähnt wird, steht von Anfang an im Zeichen seit Jahrhunderten hier verlaufender Fernwege: In Nord-Süd – Richtung zeichnet sich die als „Ochsenweg“ in das regionale Gedächtnis eingegangene Altstraße ab (Abb. 1). Sie wurde im Mittelalter unweit des Ortes von der Ost-West verlaufenden „Lübschen Trade“ gekreuzt. Heute im Gelände weitgehend verschwundenen, verband dieser Weg die Hansestadt Lübeck im 14. – 16. Jh. mit den Marktorten der holsteinischen Westküste (Abb. 2).
Abb. 2. Kartenausschnitt aus J. Mejer, Herzogtümer Schleswig und Holstein mit Verlauf der „Lübschen Trade“ zwischen Lübeck und der Westküste.
Hohenwestedt konnte sich seit seinen frühen Tagen auf einer Saale-eiszeitlichen Altmoräne der mittelholsteinischen „Hohen Geest“ sowohl in puncto Landwirtschaft als auch Handel und Wandel entwickeln. Der später erfolgte Namenszusatz „Hohen-“ bringt dann die Siedelgunst oberhalb der umgebenden Niederungsgebiete der „Flachen Geest“ zum Ausdruck.
Abb. 3. Das Bronzeschwert von Hohenwestedt, OT Glüsing
Archäologische Funde weisen darauf hin, dass Menschen die Region bereits in vorgeschichtlicher Zeit dauerhaft bewohnten. Besondere Beweiskraft kommt den Hinterlassenschaften der Bronzezeit (1700 – 500 v. Chr.) in und um Hohenwestedt zu – einer Zeit also, in der Europas Norden mangels eigener Lagerstätten unmittelbar von der Zufuhr nötiger Metalle wie Kupfer und Zinn für die Bronzeherstellung abhängig war! Damit erscheint es nicht ausgeschlossen, dass sich der später als „Ochsenweg“ bezeichnete Fernweg bereits im 2. vorchristlichen Jahrtausend als Handels- und Kommunikationsstrang etabliert hatte. Neben zahlreichen Grabhügeln der Älteren Bronzezeit (1700 – 1100 v. Chr.) wurde hier ferner mit Fundort „Hohenwestedt, OT Glüsing“ ein besonderes Bronzeschwert entdeckt (Abb. 3). Aufgrund der speziellen Griffform dem Typ der „Achtkantschwerter“ zugeordnet, gehört es in die große Fundgruppe von Erzeugnissen, die im nördlichen Voralpenraum entwickelt wurden und sich in Nordeuropa als Importe großer Beliebtheit erfreuten. Mit einem Herstellungsdatum zwischen 1500-1300 v. Chr. – „Periode II“ der Bronzezeit – lässt der Hohenwestedter Schwertfund erahnen, dass vor Jahrtausenden bereits weitreichende Kontakte bestanden (Abb. 4). Als Lieferweg kam hierzulande nur der über Itzehoe und Jahrsdorf nach Hohenwestedt führende Altweg in Frage!
Abb. 4. Verbreitungsgebiet der Achtkantschwerter, roter Punkt: Hohenwestedt.
In historischer Zeit sind diese Wegetrassen in und um Hohenwestedt beispielhaft dokumentiert, denn ab dem 17. Jahrhundert fanden sie Eingang in frühe Kartenwerke. Zwar verzeichnete Marcus Jordanus bereits 1559 „Wested“ in seiner Karte der Herzogtümer Schleswig und Holstein (Abb. 5), doch insgesamt noch ohne Wegeführungen. Anders fast 100 Jahre später die in der „Danckwerthschen Landesbeschreibung“ 1650 erschienene Karte von Johannes Mejer, in der „Westede“ am eingangs beschriebenen Wegekreuzungspunkt lokalisiert wird (s. Abb. 2). Mit den „Varendorfschen Karten“ (1789-96) des Herzogtums Holstein gelingt dann bereits eine recht präzise Lokalisierung der Wegeverläufe (Abb. 6). So erkennt man mit diesem Kartenwerk schon ein halbes Jahrhundert vor dem Bau der ersten befestigten Fernstraße der Region – der „Chaussee“ von Itzehoe nach Rendsburg, heute B77 – innerörtliche Wegeführungen Hohenwestedts, die bis heute nachvollziehbar sind (Abb. 7). Sie legitimieren historisch zudem den Standort der Hörnerskulptur am nördlichen Ortsausgang im Bereich des Kreisverkehrs, der 2001 unmittelbar in die über Remmels kommende und als „Rendsburger Straße“ fortgesetzte Wegeführung eingefügt wurde. Wenngleich sich die historische Route innerorts durch moderne bauliche Überprägung verliert, weisen südlich von Hohenwestedt heute noch Feldwege und in der Archäologischen Landesaufnahme verzeichnete Altwegespuren auf die ursprüngliche, weiter über Jahrsdorf und im Waldgebiet des „Jahrschen Balkens“ verlaufende Alttrasse hin.
Abb. 5. Karte von Schleswig-Holstein des Marcus Jordanus (1559)
Als Viehtriftweg aus Richtung Dänemark aufgetriebener Magerochsen scheint Hohenwestedt keine tragende Rolle gespielt zu haben. Sie schlugen wohl überwiegend im Frühjahr den über „Bramstede“ (Bad Bramstedt) nach Wedel an die Elbe führenden „Ossenwech“ ein – so der Eintrag in die 1588 gefertigte „Pinneberger Landtafel“ (Abb. 8) Holsteiner Ochsenweges. Der sicherlich auch für Hohenwestedt bedeutende Itzehoer Ochsenmarkt am „Gallus-Tag“, dem 16.10. eines Jahres, weist ihn dann wohl auch als Endverkaufsstätte von Schlachtvieh aus. Selbst wenn hier zu guten Zeiten nachweislich bis zu 3.000 Ochsen verkauft wurden, entspricht diese Zahl doch nur einem Bruchteil dessen, was fast zwei Jahrhunderte lang auf dem Wedeler Frühjahrsmarkt mit 30.000 – 40.000 Stück umgeschlagen wurde.
Abb. 6. Wegeverlauf von Remmels über Hohenwestedt nach Jahrsdorf, Kartenausschnitt aus Vahrendorf (1789-1796).
Abb. 7. Wegeverlauf mit Fokus auf Hohenwestedt, Kartenausschnitt aus Vahrendorf (1789-1796).
Abb. 8. Pinneberger Landtafel des Daniel Frese (1588) mit den lokalisierten Zitat „Dit is de Ossenwech van Bramstede na Wedel“.
Die enorme Bedeutung Hohenwestedts als Anrainer der Alttrasse kommt eher unter dem Aspekt Heerweg zur Geltung – und das gelegentlich durchaus zum Leidwesen der Anwohner. So berichtet die Ortschronik „Hohenwestedt. Geschichte – Menschen – Ereignisse (1994) eben auch über die lokalen Nachteile der beschriebenen Wegegunst des Ortes. Denn in kriegerischen Zeiten waren die Hohenwestedter gezwungen, durchziehenden Armeen und Söldnerheeren Quartier und Versorgung zu gewähren. So wurde der Ort vom 13. bis ins 16. Jahrhundert immer wieder Zeuge von Kämpfen rivalisierender Grafen und später sogar von Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) mit seinen nordeuropäischen Konfliktbereichen und den Nordischen Kriegen (1655-60 und 1700-21) um die Vorherrschaft Schwedens im Ostseeraum. So ist erwiesen, dass Wallenstein, Christian IV von Dänemark, Karl X Gustav von Schweden und der russische Zar Peter I der Große für kurze Zeit in Hohenwestedt weilten (Abb. 9). Selbst die napoleonische Epoche des frühen 19. Jahrhunderts blieb durch die Einquartierung fremdländischer Söldner für die Hohenwestedter nicht ohne persönliche Eindrücke, ebenso wie die Aufmärsche in den beiden Schleswig-Holsteinischen Kriegen 1848-50 und 1864, in deren Zuge nach 14jährigem dänischen Intermezzo Schleswig-Holstein preußische Provinz und ab 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs wurde.
Abb. 9. Sie waren in Hohenwestedt: a. Generalissimus Wallenstein (1627), b. Christian IV von Dänemark (1627), c. Karl X Gustav von Schweden (1657), d. Zar Peter I (der Große) von Russland (1713).
Wenngleich die Geschichte Hohenwestedts lagebedingt scheinbar überproportional von militärischen Ereignissen zu berichten weiß, sind es die dahinterstehenden Wegevorteile, die dem Ort dann immer wieder zu Aufschwüngen in Handel und Wandel verhalfen. Beeindruckende Zahlen heute hier erfolgreich agierender Betriebe und Unternehmen bringen letztlich zum Ausdruck, dass Hohenwestedt seit Jahrhunderten von der Lage am historischen Hauptweg der Region geprägt wurde. Als „Ochsenweg“ ging er in das kulturelle Gedächtnis des Landes ein.



