Summary Lentföhrden
For the area around the village of Lentföhrden, which is first mentioned in a document from 1479 as ‘Lent’föhr’ and whose name refers to (an) old fording place(s), two historic mainroads used for cattle tracks were of crucial importance in the past. They reflect the often competitive cattle trade between the County of Holstein-Pinneberg with its market town of Wedel, and the Hanseatic city of Hamburg.
Although not explicitly mentioned, the ‘Pinneberger Landtafel’ (1588), with the caption ‘Dit is de Ossenwech van Bramstede na Wedel’ („this is the ox trail from Bramstede to Wedel“), suggests that Lentföhrden lay south of ‘Bramstede’ – today Bad Bramstedt –, immediately adjacent to the aforementioned ‘Ossenwech’. In days gone by, this maibroad crossed vast heaths and wastelands here, which have since been cultivated into farmland. Numerous burial mounds from the Early Bronze Age (1700–1100 BC) suggest that ancient pathways already ran through here in prehistoric times. East of Lentföhrden, traces between the town of Ulzburg and Hamburg-Ochsenzoll also indicate an ancient mainroad leading south.
By the time the ‘Altona-Kieler Chaussee’ (1830–32) – today the B4 main road – both old routes had lost their significance, though they remained part of the local cultural consciousness.
Oversigt Lentföhrden:
For området omkring landsbyen Lentföhrden, der første gang nævnes i et dokument fra 1479 som „Lent`föhr“ – navnet henviser sandsynligvis til (en eller flere) gamle vadesteder – havde to historiske okseveje i gamle tider afgørende betydning. De afspejler så at sige den ofte konkurrerende studehandel mellem grevskabet Holstein-Pinneberg med markedsbyen Wedel og Hansestaden Hamborg.
Selvom ikke nævnes, lader „Pinneberger Landtafel“ (1588) med billedteksten „Dit is de Ossenwech [Oksevej] van Bramstede na Wedel“ formode, at Lentföhrden lå syd for „Bramstede“ umiddelbart ved den nævnte Oksevej. Ruten til Wedel krydsede her i gamle dage vidtstrakte heder og ødemarker, der i mellemtiden kultiveres til landbrugsjord. Gravhøje fra den ældre bronzealder (1700–1100 f.Kr.) tyder på, at der allerede i forhistorisk tid løb gamle veje her. Øst for Lentföhrden henviser spor mellem byen Ulzburg og Hamburg-Ochsenzoll desuden en forbindelse mod syd. Senest med anlæggelsen af „Altona-Kieler Chaussee“ (1830–32) – den nuværende primærrute B4 – mistede de gamle veje deres betydning, men blev dog bevaret i den lokale kulturelle erindring.
Der Ochsenweg
in Lentföhrden
Abb. 1. Der Ochsenweg in Lentföhrden im innerörtlichen Straßennetz.
Im Umfeld des 1479 als Lent`föhr erstmalig urkundlich erwähnten Ortes Lentföhrden (Abb. 1), Kr. Segeberg, zeichneten sich Verläufe von Altwegetrassen noch bis vor wenigen Jahrzehnten deutlich ab. Erst mit der Kultivierung der umgebenden Heide- und Moorareale verschwanden sie unwiederbringlich. Der Ortsname, dessen Schreibweise im Laufe der Jahre noch manch Variante erfuhr (Abb. 2) –, reflektiert mit dem Wortteil -föhrden oder -ford den Bezug zu (einer) ehemaligen Furt(en). Gemeint sind hier wahrscheinlich brückenlose, Richtung Nützen führende Passagen durch die „Krummbek“ oder „Dreckau“ am südlichen Ortsrand (Abb. 3). Aus Richtung (Bad) Bramstedt kommend, lief damals ein Altweg – heute mit „Zur Waldburg“ im Ortsnetz benannt – auf Lentföhrden zu. Östlich und südlich des Ortes zweigte die „Alte Landstraße“ in Richtung Nützen ab. Ihr Verlauf wird bereits 1650 von J. Mejer kartiert (Abb. 4).
Abb. 2. Die unterschiedlichen Schreibweisen von Lentföhrden (Ortschronik von E. Voß, 1950).
Abb. 3. Wegeverhältnisse zwischen Bramstedt und Langeln vor dem Chauseebau (G. A. v. Varendorf, 1789-1796) und Fokus Lentföhrden. o.M.
Abb. 4. Kartenausschnitt Bramstede — Limford (Lentföhrden) — Olseborg (Ulzburg) mit Wegeverlauf nach Hamburg — J. Mejer (1650).
Die wichtigste Quelle zur Beurteilung des Ochsenwegverlaufes im Umfeld von Lentföhrden ist jedoch die „Pinneberger Landtafel“ des Daniel Frese aus dem Jahre 1588 (Abb. 5). Sie verzeichnet und bebildert mit dem Kommentar „Dit is de Ossenwech van Bramstede na Wedel“ zwischen den genannten Orten in einem weiten Bogen den Weg der Ochsentriften über die flache Geest. Wenngleich Lentföhrden, da außerhalb der Grafschaft Holstein-Pinneberg liegend, nicht ausdrücklich genannt wird, ermöglicht die Landtafel eine grobe Verortung des „Ossenwech“ zwischen „Bramstede“, „Moenkelo“ und „Koldekerchken“ (Kaltenkirchen).
Abb. 5. „Die Pinneberger Landtafel“ des Daniel Frese (1588).
Hier muss eine Korrektur in der ansonsten hervorragenden Lentfördener Chronik (E. Voß 1950) vorgenommen werden. Sie lokalisiert Lentföhrden unter der vermeintlichen Namensvariante „Lintfoh“ (vgl. Abb. 2) in besagter Landtafel unmittelbar an der Grenze der ehemaligen Grafschaft Holstein-Pinneberg. Kartiert erscheint jedoch ein als „Lintlo“ bezeichneter Ort. Da sich in geringer Entfernung zudem weitere Orte mit der Endung -lo – siehe „Nortlo“ und „Moenkelo“ – finden, dürfte es sich in der Lentföhrdener Chronik mit „Lintfoh“ um einen Schreibfehler handeln. Zudem widerspäche die kartierte Lage unmittelbar an der Grenze zur Grafschaft Holstein-Pinneberg der von Lentföhrden im Kreis Segeberg, zumal der heutige Kreis Pinneberg die aus den Zeiten der Grafschaft überkommenen Grenzverläufe im Wesentlichen nachvollzieht.
Die „Pinneberger Landtafel“ liefert mit ihrem Herstellungsdatum 1588 eine wichtige Konkretisierung: Da der bezeichnete „Ossenwech“ unmittelbar Bezug auf den Wedeler Markt nimmt, stellt sie ein im Frühjahr mit Magerochsen durchgeführtes Triftgeschehen dar!
Abb. 6. Archäologische Karte Kr. Pinneberg (1966). Verlauf des Ochsenweges (Transparent).
Im Gelände südlich von Lentföhrden ist heute keine konkrete Trassenführung mehr zu erkennen. Doch verzeichnet und kartiert die „Archäologische Landesaufnahme des Kreises Pinneberg“ (1966) zwischen Barmstedt und Langeln noch über viele hundert Meter erhaltene Altwegereste (Abb. 6), die eine Fortsetzung der über Lentföhrden führenden Trasse darzustellen scheinen. Der Weg nutzte hier wohl seit alters her Heide- und Ödlandflächen. Zahlreiche, die Alttrasse begleitende Grabhügel (Abb. 6 u. 7) der Bronzezeit (1700 – 500 v. Chr.) legen sogar die Vermutung nahe, dass man sich noch lange nach ihrer Errichtung an ihnen orientierte. Wenngleich Lentföhrden in der „Pinneberger Landtafel“, die für Regionen außerhalb der Grafschaft Holstein-Pinneberg ohnehin kein vollständiges Ortsverzeichnis liefert, nicht ausdrücklich genannt wird, muss es wegen des von 1479 stammenden Existenznachweises unmittelbar am „Ochsenweg“ gelegen haben! Hierfür spricht ferner der 1650 von J. Mejer über „Kohlenkercke“ (Kaltenkirchen) und „Olzeborg“ (Ulzburg) kartierte Wegeverlauf von Bramstede (Bad Bramstedt) nach Hamburg, der eindeutig östlich von „Limford“ (Lentföhrden) verläuft (Abb. 4). Damit liegt die Vermutung nahe, dass zumindest im Zeitraum von ca. 1500-1660, der als „Boomzeit“ des Ochsenhandels mit Magervieh gilt, ein über Lentföhrden nach Wedel führender Triftweg von größerer Bedeutung war als der nach Hamburg. Zumindest in puncto Ochsenhandel bildet sich bei Lentföhrden eine wichtige Scheidelinie im mittelalterlichen Wirtschafts- und Handelstreiben zwischen dem Hamburger Markt und dem der Grafschaft Holstein-Pinneberg in Wedel ab.
Abb. 7. Bronzezeitliche Grabhügel (1700-500 v. Chr.) unweit des Ochsenweges bei Langeln.
Damit ergibt sich für den Ochsenweg dieser Zeit plausibel nur der skizzierte innerörtliche, über die heutige Schulstraße ins ehemalige Ödland der weitläufigen Heideareale geleitete Verlauf. Spätestens jedoch mit dem Bau der im Lauf begradigten „Altona-Kieler Chaussee“ (1830-32) – heute B4 – verlor der alte Triftweg seine Bedeutung, blieb aber im lokalen Gedächtnis erhalten.



