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Summary Hohenwestedt
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Der Ochsenweg
in Hohenwestedt
Der Ochsenweg zwischen Kropp und Sorgbrück östlich von Kropp und heutiges Straßennetz
Ortswappen der Gemeinde Kropp
In Kropp und Umgebung hat sich der „Ochsenweg“ tief in das kollektive Gedächtnis hier lebender Menschen eingegraben. Nicht zufällig ziert „ein frontal gestellter roter Ochsenkopf“ – so die heraldisch festgelegte Beschreibung – das Wappen des 1285 erstmalig als „Croop“ erwähnten Ortes. Über Generationen wird ferner der Ausspruch „Du büs` Kropper Busch noch ni vörbi“ bewahrt, der u.a. heute als Schriftzug die wenige hundert Meter südlich der Hörnerskulptur liegende Gastwirtschaft „Kropperbusch“ schmückt. Sie wurde jedoch erst mit dem Bau der Chaussee Schleswig-Rendsburg – der späteren B77 – in den 1830iger Jahren an ihren Standort verlegt und befand sich vorher unmittelbar an der historischen Trasse. Der „Kropper Busch“ war Teil des einstigen Ödlandes, das sich von südlich der Schleswiger Landenge mit dem Danewerk bis kurz vor die Eiderniederung bei Rendsburg hinzog. Ausgedehnte Sander und Heideflächen ermöglichten früher bestenfalls ein karges, auf Schafhaltung ausgerichtetes Leben. Der heute in vielen Bereichen aufgeforstete Wald entspricht also keineswegs dem historischen Bild der Region.
Gasthof Kropperbusch (alte Postkarte o.J.)
Gasthof Kropper Busch (um 1995)
In Sagen und Geschichten hatte sich mit Bezug auf den eingangs zitierten, zu einem geflügelten Wort der Region gewordenen Ausspruch die Mär verfestigt, dass sich hier am Ochsenweg früher Räuberbanden und „lichtscheues Gesindel“ herumgetrieben hätten. Doch ist nur ein einziger Überfall aktenkundig geworden: 1665 wurde „im Kropper Busch“ die staatliche Fahrende Post überfallen und ausgeraubt. Man darf damit wohl bezweifeln, dass jenes Zitat als ständige Warnung vor Raubüberfällen verstanden werden muss, wie meistens angenommen. Es bezieht sich wohl eher auf den seinerzeit im Kropper Ödland angetroffenen schlechten Wegezustand, der für Gespanne mit schweren Packwagen eine echte Herausforderung dargestellte. Besonders schwierig dürfte die Passage im Frühjahr gewesen sein, wenn tausende Ochsen über diesen Weg zu den Märkten in Bramstedt und Wedel aufgetrieben wurden. Fuhrleute fürchteten diesen Streckenabschnitt, und man drückte mit dem betreffenden Satz dann aus, dass es vor der Durchquerung dieser schwierigen Passage noch keinen Grund gab, sich auf eine bequeme Rast in Schleswig oder Rendsburg zu freuen. Nicht zufällig reihten sich im „Kropper Busch“ auf ca. 7 Kilometern, entsprechend einer Landmeile, nicht weniger als vier Ochsenwegkrüge. Denn hatte sich ein Fuhrwerk in dem lockeren, sandigen Boden festgefahren, musste man in diesen Krügen Hilfe holen, von Vorspannarbeit bis hin zur Reparatur gebrochener Räder – was sicher nicht kostenfrei geschah!
Der „Ochsenweg“ im „Kropper Busch“ um 1950
Der „Ochsenweg“ im „Kropper Busch“ um 2005
Sommerliche Impressionen vom „Ochsenweg“
Herbst- und Winter-Impressionen vom „Ochsenweg“
Der Wegeabschnitt von der Kropper Hörnerskulptur bis zum Fluss Sorge mit der Ansiedlung Sorgbrück vermittelt landesweit den ursprünglichen Charakter eines Hauptverkehrsweges, wie er seit vorgeschichtlichen Zeiten bis zu Beginn des 19. Jh. ausgesehen haben mag. Und in der Tat lieferten 2023/24 archäologische Ausgrabungen im nördlichen Kropper Gewerbegebiet Nachweise einer Siedlung der Völkerwanderungszeit (375 – 550 n. Chr.) um 400 n. Chr., im Zuge derer neben zeittypischen Siedlungsfunden ferner von einem Gebäude des erkannten Dorfes eindeutige Wegespuren überlagert wurden, die aufgrund einer Radiokarbondatierung (C14-Methode) in die Zeit um 800-900 v. Chr. weisen. Sie bereichern zwischen „Kropper Busch“ und dem „Ochsenlager“ – so der Gemarkungsname des nahen Fliegerhorstes Jagel – in Richtung Dannewerk nicht nur die Kenntnis des Altwegeverlaufes in beträchtlichem Maße, sondern bestätigen auch das bereits aus dem parallelen Verlauf der perlschnurartigen Reihung bronzezeitlicher Grabhügel im Bereich der Schleswiger Landenge erschlossene, über 3000jährige Alter des Weges.
Damit gewährt der „Ochsenweg“ im Gebiet der Gemeinde Kropp mit seinen nachgewiesenen und noch erhaltenen, denkmalsgeschützten Altwegetrassen echte Einblicke in das vorgeschichtliche und historische Fernverkehrswesen. Die Schleswiger Landenge zwischen Ostseefjord Schlei und dem Treene-Fluss zwang den Altweg in eine Passlage, die damals den einzigen landseitigen Zugang zwischen Mittel- und Nordeuropa darstellte. Nicht zufällig wurde damit der Verlauf aktueller Verkehrswege wie B77 (ehem. Chaussee Schleswig-Rendsburg), Eisenbahntrasse und Autobahn A7 durch den „Ochsenweg“ vorgeprägt.
a. Die Lage der Grabungsfläche auf der Flur „Hufenausbau“ im Norden der Gemeinde Kropp
b. Der Grabungsplan mit 12 Gehöften, Sondergebäuden, Grubenhäusern und Brunnen
(Grafik: A. Maaß, ALSH). Fig.)
Luftbild der vorgeschichtlichen Wege- und Fahrspuren von der amtlichen arch. Ausgrabung der Jahre 2023/24. Blickrichtung nach Süd-Südost. (© Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH))
