Der Ochsenweg in der Gemeinde Owschlag
Der Ochsenweg bildet über viele Kilometer die Westgrenze der Gemeinde Owschlag. Um 1500 erstmalig als „Osslachte“ urkundlich erwähnt, ist der Ort durch die Randlage zur weichseleiszeitlichen Moränenlandschaft charakterisiert, deren bedeutendstes regionales Zeugnis die „Hüttener Berge“ sind. Im Westen dieses Gebietes und im Übergang zum benachbarten Orte Kropp liegt das nur spärlich besiedelte Ödland „Kropper Busch“. Hier lief wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit, Nord-Süd gerichtet, der bedeutendste Fernweg der Halbinsel Jütland.
Der Ochsenweg zwischen Kropp und Sorgbrück westlich von Owschlag und heutiges Straßennetz
Annähernd gleicher Kartenausschnitt (s.o.): du Plat 1805, der Ochsenweg vor dem Bau befestigter Straßen.
Zwischen dem Gehöft Feldscheide und dem ehemaligen Landgasthof Sorgbrück am alten Übergang des Flüsschens Sorge hat sich als südlicher Teil dieses Weges im „Kropper Busch“ eine breite Sandpiste erhalten. Diesem nach wie vor urtümlich wirkenden Erscheinungsbild verdankt die Region das geflügelte Wort „Du büs`Kropper Busch noch ni förbi“. Es lud jedoch immer wieder zu Fehldeutungen ein. Angeblich sollen hier früher Räuberbanden und „lichtscheues Gesindel“ Angst und Schrecken verbreitet haben! Wesentlich nüchterner fällt dagegen die wissenschaftliche Deutung aus, in der historische und landeskundliche Gesichtspunkte eine stärkere Gewichtung erfahren: Am Ochsenweg im „Kropper Busch“ reihten sich vor Jahrhunderten ungewöhnlich viele Gasthöfe, bzw. „Krüge“. Während gesetzlich festgelegt war, dass auf einer Meile – also ca. 7,5 km – ein Gasthaus liegen musste, waren es hier vier! Eine plausible Erklärung liefert die Beschaffenheit des Weges. Denn auf den sandigen Heidepisten war ein Durchkommen für jeglichen Verkehr äußerst beschwerlich. Ungünstiges Wetter tat ein Übriges hierzu.
Der Ochsenweg im „Kropper Busch“ bei unterschiedlichem Wetter.
Sicherlich fuhr sich das eine oder andere Fuhrwerk fest, und so manches Rad wird gebrochen sein! Hilfe war dann nur über die nahen Gasthöfe, den „Ochsenwegkrügen“, zu organisieren, etwa in Form von Vorspannarbeit oder nötigen Reparaturen. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint das geflügelte Wort vom „Kropper Busch“ in einem anderen Licht, etwa dergestalt, dass es wohl als Mahnung für Reisende und Fuhrleute gemeint war – Freue dich nicht zu früh auf eine bequeme Rast in Schleswig oder in Rendsburg, solange du das schwierige Wegestück bei Kropp noch nicht durchquert hast!
Unter den historischen Gasthöfen stach einer besonders heraus. Er war als „Kroch thor Sorcke“ (d.h. Krug an der Sorge) weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Bis ins 16. Jahrhundert lassen sich einige der Besitzer zurückverfolgen. Der heutige landwirtschaftliche Betrieb „Hof Feldscheide“ steht unmittelbar in der Tradition des beschriebenen Kruges. Im Jahre 1470 hat es hier sogar ein Treffen hochrangiger Persönlichkeiten gegeben. Niemand geringeres als König Christian I. (1426 – 1481) von Dänemark, sein Bruder Graf Gerhard und Bischof Nikolaus von Schleswig waren zu Gast. 400 Jahre später hatte sich das gastliche Bild aber gewandelt: Vor der heutigen Zufahrt der Hofstelle erinnert ein Stein mit der Aufschrift „Los von Dänemark 1864“ daran, dass sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts die politische Situation gewandelt hatte und es im selben Jahr im „Deutsch-Dänischen Krieg“ zur Loslösung Schleswig-Holsteins vom Königreich Dänemark kam.
„Hof Feldscheide“ (o. J.) in einer handkolorierten Fotographie
Stein am Ochsenweg an der Grundstücksgrenze zum „Hof Feldscheide“
Als die von Schleswig nach Rendsburg führende Chaussee 1840 fertiggestellt worden war, geriet der alte Ochsenweg im „Kropper Busch“ rasch außer Nutzung. Der Fernverkehr führte nun über die gepflasterte Straße, querte aber nach wie vor das Flüsschen Sorge an der alten Übergangsstelle „Sorgbrück“. Hier entstand in späterer Zeit der „Landgasthof Sorgbrück“, inzwischen nicht mehr bewirtschaftet.
Ehemaliges „Landgasthaus Sorgbrück“ (Bild 1996)
Karte J. Mejer 1652, Amt Gottorf, mit Kartierung eines Kruges an der Sorge (s. Fokus „Sorgkrog“).
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann man in der Region, die damals weit verbreiteten Ödlandflächen mit schnell wachsenden, aber standortfremden Nadelhölzern aufzuforsten. Damit schwand das einstige, durch ausgedehnte Heideflächen und lichte Eichen-Birkenwälder geprägte Landschaftsbild. Seit 1998 wird in Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden und allen hoheitlich zuständigen Behörden mit Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein der Ödlandcharakter teilweise wiederhergestellt. Paradoxerweise ist der hier als ursprünglich empfundene Zustand des Weges der Tatsache geschuldet, dass man ihn immer wieder auch mit schweren Fahrzeugen im Rahmen von Kiesabbau in unmittelbarer Nähe befuhr und nach wie vor befährt. So wird ein allmähliches Zuwachsen des Weges von den Seiten her und ein Überhandnehmen der Vegetation auf dem Weg verhindert und zugleich die Anmutung eines originären Altweges erreicht.
